Implementierung von Angeboten

für suchtbelastete Mütter/Väter/Eltern und deren Kinder

Voraussetzungen und Anforderungen an die ambulante Sucht- und Drogenhilfe

Die Thematik des Fachgesprächs ist hochkomplex und berührt eine Vielzahl von Arbeitsfeldern und Berufsgruppen.

Dass es zwingend erforderlich ist, Kinder in Familien mit einem oder mehreren Suchtmit-telabhängigen gezielt zu versorgen und zu unterstützen, ist für Fachleute inzwischen selbstverständlich: zu eindrücklich sind die psychischen und physischen Folgen, die Bedrohung der Kinder durch Vernachlässigung, Diskontinuität in Beziehungen, durch das Risiko, selbst suchtmittelabhängig zu werden u.v.m. Ebenso eindrücklich zeigt sich die Weitergabe von Traumata, Bindungsstörungen und Suchterkrankungen über Generationen.

Dennoch ist festzuhalten, dass sowohl die Kinder als auch deren Eltern derzeit nicht flächendeckend adäquat versorgt bzw. unterstützt werden.

Bei einer vertiefenden Recherche zeigt sich rasch, dass …

  • … es durchaus ertragreiche Forschung zum Thema „Kinder in suchtbelasteten Familien“ gibt;
  • … es eine Fülle von Ressourcen gibt, die in dieses Arbeitsfeld auf unterschiedlichen Ebenen eingebracht werden;
  • … es eine Vielzahl von Praxisprojekten gibt, deren Ergebnisse schriftlich niedergelegt sind, dazu Handreichungen, Handlungsempfehlungen, einige wenige Evaluationen, Checklisten usw.;
  • … es viele Empfehlungen „aus Erfahrung“ gibt (wenn auch noch selten tragfähige Evaluations- oder Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit bestimmter Hilfen).

Aber:

  • Es fehlen eine Bündelung der Erfahrungen und Erkenntnisse, ein systematisches Zusammenführen und Aneinander-Anknüpfen sowie Auswertungen im Gesamt zusammenhang (z.B. als Metastudien).
  • Die unterschiedlichen Disziplinen, Berufsgruppen und Arbeitsfelder finden noch zu selten zusammen; ebenso wenig die Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. So kann einerseits kein „vollständiges Bild“ dieser komplexen Thematik entstehen, andererseits werden Fragestellungen untersucht bzw. formuliert, die bereits an anderen „Stellen“ (Projekten, Evaluationen etc.) beantwortet wurden.
  • Die vorliegenden Erkenntnisse und Erfahrungen werden offenbar nicht genügend verbreitet und in der Praxis genutzt. In diversen Studien werden auch bereits erste Hypothesen aufgezeigt, wie es dazu kommt, dass die Nutzung erschwert bzw. verhindert wird.
  • Zusammengefasst: Die Vielzahl von Erkenntnissen und Erfahrungen spiegelt sich nicht im Grad der Umsetzung in gezielte und wirksame Hilfen – weder für Kinder suchtmittelabhängiger Eltern noch für die Mütter und Väter.

Die Schlussfolgerung:

  • Es muss Hindernisse geben, die eine systematische Entwicklung von Hilfeangeboten, ein Voneinander-Lernen, Anknüpfen, Auswerten, Aufeinander-Aufbauen … gerade in diesem Feld erschweren.
  • Es ist notwendig, diese Hindernisse in den Blick zu nehmen und deren Analyse gezielt in die weitere Entwicklung von Angeboten einzubeziehen, bevor „einfach nur“ die bisherigen Anstrengungen verdoppelt werden.

Mit der vorliegenden Dokumentation sollen die Ergebnisse, Einschätzungen und Schlussfolgerungen aus dem Fachgespräch festgehalten und für weitere Planungen zur Versorgung von suchtmittelabhängigen Müttern/Vätern/Eltern und ihren Kindern nutzbar gemacht werden.

 

Autor*in: BELLA DONNA, Verein zur Hilfe suchtmittelabhängiger Frauen Essen e.V.

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