Schulterschluss

Projektbericht 2019, Projektphase I und II

„Wie viele Kinder und Jugendliche in einer suchtbelasteten Familie aufwachsen, lässt sich nur schätzen. Zweifelsohne handelt es sich aber um eine quantitativ bedeutende Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die gravierenden psychosozialen Belastungen ausgesetzt sein kann:

Eine Hochrechnung der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenabhängigkeit (EMCDDA) für Deutschland im Jahr 2008 kommt zudem Ergebnis, dass etwa 5 bis 6 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit mindestens einem Elternteil mit alkoholbezogenen Problemen aufwachsen. Im Bereich der illegalen Drogen wird geschätzt, dass etwa 60.000 Kinder mit einem opiatabhängigen oder polytoxikomanen Elternteil leben (NACCOA, 2006).

Kinder aus Familien mit suchtbezogenen Problemen sind mit gravierenden Entwicklungsrisiken konfrontiert:Sie tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine suchtbezogene Störung zu entwickeln. Weiterhin zeigen sie häufiger klinisch relevante psychische Auffälligkeiten im Vergleich zu Gleichaltrigen(detaillierte Übersichten bei Moesgen & Klein, 2010; Moesgen et al., 2012; Moesgen, Schulz & Klein, 2012). Obwohl die Ergebnisse internationaler Forschung die besonderen Belastungen für diese Risikogruppe ein-drücklich belegen und einen hohen Handlungsbedarf implizieren, konstatieren Moesgen et al. (2012) – insbesondere für die Situation in Deutschland – einen Mangel an empirisch gut belegten Präventionsprogrammen. Besonders prekär gestaltet sich die Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien jedoch nicht nur aufgrund der begrenzten Angebotssituation, sondern auch aufgrund einer geringen Nachfrage seitens der betroffenen Familien (Bröning et al., 2012). In Gefühlen wie Schuld, Scham und Angst vor Stigmatisierung finden sich unterschiedliche Gründe, warum sich betroffene Eltern scheuen, aktiv Hilfe nachzufragen und anzunehmen. Um die betroffenen Familien erreichen zu können, müssen präventive Angebote „auf die Ängste der Eltern sensibel eingehen, aber auch die mögliche Relevanz des Programms für die Entwicklung der Kinder darlegen“ (Moesgen et al., 2012).

Neben dieser in hohem Maße „sensiblen Überzeugungsarbeit“ ist es für die Anbieterinnen und Anbieter von Präventionsmaßnahmen für suchtbelastete Familien aus den Bereichen Jugendhilfe und Suchthilfe unverzichtbar, die bestehenden Netzwerke und Kooperationen intensiv zu nutzen und auszubauen (ebd.). Diese Anforderungen greift das Projekt [schulterschluss] auf und möchte Einrichtungen aus der Jugendhilfe und der Suchthilfe in ihrer Kommunikation, in der Kooperation und bei der Bildung von tragfähigen Netzwerken für suchtbelastete Familien unterstützen. Realisiert wurde das Projekt im Rahmen des Bayerischen Präventionsplans, nach Beschluss des Bayerischen Landtags: Ziel dieses Projekts ist es, „aus dem Nebeneinander der Angebote der Suchthilfe und der Jugendhilfe ein Miteinander entstehen zu lassen, um die Angebote für betroffene Jugendliche zu optimieren“ (Bayerischer Landtag, 2014).“*

Autor: Marco Stürmer
Hrsg.: Prop e.V. – Verein für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie & Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.
Abschlussbericht Schulterschluss I und II (2019)

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www.schulterschluss-bayern.de

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